Hormone: ja oder nein?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es hier nicht. Jede Frau erlebt die Wechseljahre bzw. die hormonmangelbedingten Beschwerden anders. Deshalb ist individuell und sorgfältig abzuwägen, ob die Hormone, die dem Körper fehlen, zugeführt werden sollen.

Die menopausale Hormontherapie wird nach neuesten Studien sehr positiv bewertet und hilft Frauen, trotz Wechseljahren ein in jeder Hinsicht erfülltes und aktives Leben zu führen.

Basierend auf den individuellen Untersuchungsergebnissen, dem Alter der Frau, ihrer medizinischen Vorgeschichte und der Ausprägung der Symptome, sollte jede Frau gemeinsam mit ihrer Frauenärztin/­Frauenarzt entscheiden, ob sie eine Hormonbehandlung beginnen möchte. Klar ist: Frau muss die Beschwerden nicht schicksalsergeben hinnehmen, wenn sie ihr Leben beeinträchtigen und sie davon abhalten, ihre Wünsche zu verwirklichen.

Die Art, die Dosierung und die Dauer der Hormonsubstitution sollten individuell auf die Bedürfnisse der Frau eingestellt werden. Nur so ist es möglich, jeder Patientin die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Grundsätzlich sollte eine Hormon­therapie innerhalb der ersten 10 Jahre nach Beginn der Menopause bzw. vor dem 60. Geburtstag begonnen werden. So kann die Frau die gesundheitlichen Vorteile voll ausschöpfen.

Bei Frauen, die ihre Gebärmutter noch haben, ist zusätzlich zu der Gabe von Östrogenen die Gabe eines Gestagens – z. B. von naturidentischem Progesteron – zu empfehlen. Da es, wie das Östradiol, körperidentisch ist, wird es sehr gut vertragen und gewährleistet viele gesundheitliche Vorteile für die Frau „in der Mitte“ ihres Lebens.

ÜBRIGENS:

Die Bedenken Hormonen gegenüber, die viele Frauen daran hinderten, eine entsprechende Behandlung durchzuführen, haben sich inzwischen – durch Studien belegt – als unbegründet erwiesen. Fragen Sie hierzu Ihre Frauenärztin/Frauenarzt.

Menopausale Hormontherapie

Das Thema Hormonbehandlung in den Wechseljahren wurde in den letzten Jahren sehr kontrovers diskutiert und eher negativ eingestuft. Viele Frauen haben sich deshalb gegen ein solches Vorgehen entschieden.

Der schlechte Ruf der Hormone basierte auf einer aus dem Jahr 2002 stammenden Studie aus den USA: Der „Women´s Health Initative-Studie“ (WHI). Die Untersuchung legte nahe, dass Hormone schädlich und mit mehr Risiken verbunden sind, als mit Nutzen. Nach aktueller Auswertung der Studiendaten zeigt sich aber, dass die Frauen innerhalb der Studie, die rechtzeitig mit der Einnahme von Hormonen begannen, enorm profitiert haben. Das hat jetzt zu einer Neubewertung der Studie geführt.

So stellten die beiden amerikanischen Autoren der Studie im April 2016 die Ergebnisse richtig und zeigten, dass der gesundheitliche Nutzen einer frühzeitigen Hormontherapie bei weitem mögliche Risiken übersteigt und darüber hinaus eine vorbeugende Wirkung auf verschiedene Erkrankungen wie Dickdarmkrebs, Diabetes und Osteoporose aufzeigt.3

Die deutschen Experten im Fachbereich Frauenheilkunde / Gynäkologie erklärten daraufhin in einer gemeinsamen Stellungnahme:2

„Frauen mit Wechseljahrssymp­tomen eine Hormonersatz­therapie zu verweigern, erzeugt eine große und unnötige Bürde des Leidens.“

Gemeinsam plädieren die Experten dafür, dass Frauen, deren Leben durch starke Wechseljahrssymptome beeinträchtigt wird, medizinische Unterstützung benötigen. Diese könnten sie nun ohne Angst mit einer Hormonersatztherapie in Anspruch nehmen, die individuell auf die Frau abgestimmt wird.2

Gemeinsames Medienstatement des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V., der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. und der Deutschen Menopause Gesellschaft e.V., Autoren der WHI-Studie bedauern Fehlinterpretation von Studiendaten – Hormon­ersatzbehandlung in den Wechseljahren – mehr Nutzen als Risiken; 2016

Manson JE et al. Menopause Management – Getting Clinical Care Back on Track n engl j med 374;9 nejm.org March 3, 2016