Hormone – mehr als nur ein Mittel zur Linderung der Beschwerden

Neben den kurzfristigen Folgen der Hormonveränderung im Körper wie zum Beispiel Hitzewallungen und Schweißausbrüche, kann es durch die fehlenden Hormone Östradiol und Progesteron zu gesundheitlichen Langzeitschäden kommen.

Hier kann der rechtzeitige Einsatz der menopausalen Hormontherapie vorbeugend wirken und das Entstehen von Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Koronaren Herzerkrankungen, Morbus Alzheimer und verschiedener Krebsarten verhindern.

Osteoporose

Der Knochenstoffwechsel sorgt für einen ständigen Auf- und Abbau unserer Knochen. Östrogene dienen dabei maßgeblich dem Schutz der Knochen, indem sie die Synthese von Kollagenfasern steigern und den Abbau von Knochenmasse hemmen.

Etwa 15 Prozent der ab 50-jährigen und 21 Prozent der über 65-jährigen Frauen leiden unter Osteoporose.4

Durch das stetige Absinken der Östrogene während der Wechseljahre werden die Knochen nicht mehr geschützt, ihr Mineralgehalt sinkt und Kalzium, ein wichtiger Knochenbaustein, kann nicht mehr eingelagert werden. Wird Kalzium in ausreichender Menge nicht mit der Nahrung aufgenommen, nutzt der Organismus die Reserven in den Knochen. Durch den so entstehenden Verlust von Knochensubstanz kommt es im Laufe der Zeit zur Brüchigkeit.

Das bleibt zunächst unbemerkt, da die Osteoporose keine Schmerzen verursacht. Erst, wenn es ohne Anlass zu einem Knochenbruch kommt, wird sie entdeckt. Leider viel zu spät.

Wie stark die Ausprägung der Osteoporose ist, hängt von der familiären Veranlagung, aber auch von der individuellen Lebensweise ab. Sport und ausgewogene Ernährung beeinflussen hier positiv, wohingegen Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum, wenig Bewegung und unausgewogene Ernährung zu den Risikofaktoren für das Entstehen der Osteoporose zählen.

Die rechtzeitige Gabe von Östrogenen kann die Entwicklung einer Osteoporose verhindern.5

Harnwege und Geschlechtsorgane

Östrogene sind auch verantwortlich für die weiblichen Geschlechtsorgane und die Harnwege. Wird der Hormon­status geringer, kann das dazu führen, dass die Haut der Scheide trockener und dünner wird. Dadurch können neben Juckreiz und Brennen auch Infektionen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr entstehen.

Auch die Schleimhäute der Blase und Harnröhre können sich durch die Hormonveränderung zurück­bilden. Die Folgen sind häufige Blasen- und Harnwegsinfektionen. Eine Hormontherapie kann die Symptome lindern und langfristig helfen.

Bei Frauen mit schwacher Beckenbodenmuskulatur und einer in den Wechseljahren verringerten Elastizität des Bindegewebes kann es zu spontanem Abgang von Urin kommen.

Kommt das bei geringfügigen Belastungen wie z. B. Niesen vor, wird dies zur sogenannten „Belastungsinkontinenz“ gezählt. Sie ist gut behandelbar mit einer lokal aufgetragenen, östrogenhaltigen Salbe.

Diabetes

Studienergebnisse zeigen, dass Frauen in und nach den Wechseljahren wesentlich öfter an einer Zuckererkrankung leiden als in jüngeren Jahren. Auch hier spielt ein gesunder Lebensstil eine wesentliche Rolle: Die Aufnahme von Kohlenhydraten sollte gering gehalten und der körperlichen Aktivität angepasst werden. Durch die Gabe von Östrogenen wird das Auftreten eines Diabetes mellitus Typ II aber deutlich seltener.6

Koronare Herzerkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben nicht nur Männer. Frauen sind sogar häufiger betroffen als Männer, jedoch erst in einem höheren Alter. Auch hier sehen Experten einen Zusammenhang mit dem sinkenden Hormonspiegel während der Wechseljahre.

Östrogene werden als wichtiger Schutzfaktor gegen Arterienverkalkung angesehen, die wiederum der größte Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.4

Morbus Alzheimer und senile Demenz

Die Menopausale Hormontherapie (MHT) scheint das Risiko, an Morbus Alzheimer und seniler Demenz zu erkranken, zu senken, sofern die Behandlung innerhalb der ersten 10 Jahre nach der Menopause begonnen wird. Bei Frauen, die schon einen Morbus Alzheimer haben oder die erst nach dem 65. Lebensjahr mit der Therapie beginnen, erhöht sich das Risiko einer Demenz.4

Was ist mit dem Krebsrisiko?

Hormone bieten nachweislich Schutz vor Krebsarten wie beispielsweise dem Dickdarmkrebs, der dritthäufigsten Krebsart bei der Frau.

Hormone und Brustkrebs

Bisher konnten die Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs noch nicht festgestellt werden. Einig sind sich die Experten jedoch, dass Hormone ihn nicht auslösen! Aber sie können das Wachstum von schon bestehenden Krebszellen in der Brust beschleunigen.

Bei Risikopatientinnen sollte daher die Anwendung einer Hormontherapie gründlich mit der zuständigen Frauenärztin/Frauenarzt abgewogen werden. Studienergebnisse zeigen, dass unter der Anwendung von naturidentischem Progesteron das Brustkrebsrisiko nicht steigt.7

Erwähnenswert sind außerdem gutartige Veränderungen der Brust, die gerade auch in der Menopause auftreten können wie z. B. die Mastodynie und die Mastophatie.

Mastodynie

Diese hormonabhängigen Brustschmerzen gehören mit zu den gutartigen Symptomen, die in den Wechseljahren auftreten können. Das können ein- oder zweiseitiges Brustspannen, stechende oder ziehende Schmerzen oder eine gesteigerte Berührungsempfindlichkeit sein. Hormone wie das Progesteron können hier Abhilfe leisten.

Mastopathie

Der Aufbau des Brustgewebes verändert sich in den Wechseljahren: Das Drüsengewebe bildet sich zurück. Dadurch können gutartige Knötchen (Zysten) entstehen, die Schmerzen verursachen. Auch hier kann mit geeigneten Mitteln vorgebeugt oder behandelt werden.

Wie hängt das jetzt zusammen: Wechseljahre, Hormone und Lebenserwartung?

Zunächst muss uns klar sein, dass wir die Hüter unseres Körpers sind und für dessen Gesundheit einiges tun können. Ein gesunder Lebensstil trägt einiges dazu bei, Erkrankungen zu vermeiden und kann das Leben gesünder und länger vital erhalten.

Für Frauen sind zudem die neuen Daten zu den gesundheitlichen Vorteilen der menopausalen Hormontherapie von großer Bedeutung. Zusammengefasst zeigen die Daten, dass eine Frau, die rechtzeitig mit einer Hormontherapie begonnen hat, alleine dadurch eine deutlich längere Lebenserwartung hat.3 Dies sollte jedoch nicht dazu führen, in den Hormonen den Brunnen gegen das Altern zu sehen.

3Manson JE et al. Menopause Management – Getting Clinical Care Back on Track n engl j med 374;9 nejm.org March 3, 2016
4Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Februar 2017)
5Prof. Dr. med. Joseph Neulen, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Aachen, FOKO 2016
6Berufsverband der Frauenärzte e. V., (frauenärzte-im-netz.de)
7Fournier et al. Breast Cancer Res Treat.2008;107:103-11.Cordina-Duverger E et al. Plos One.213;8(11):e78016.